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Graziella de Cesero

Aus dem "Tal der Eismacher" nach Borken

1936 - 2021

„Mutter hat Borken geliebt“ weiß Tochter Amely und die Borkener zeigen ihre Wertschätzung für Borkens erste italienische Eiskonditorin noch heute. Immer mal wieder erzählen Gäste des Eissalons an der Heilig-Geist-Straße von ihren Erinnerungen an Graziella De Cesero, die gemeinsam mit ihrem Ehemann Adelmo eine fast 70jährige Erfolgsgeschichte begründete. Und auch die nächste Generation ist sich der Verpflichtung des Namens De Cesero bewusst und will das Erbe von Großmutter Graziella bewahren und weiterentwickeln.

Die Familie De Cesero und die Familie De Bona, zu der Graziella gehört, stammen aus Longarone. Graziellas Mutter führte bereits seit 1935 eine Eisdiele in Bellaria. Die Region des Val di Zoldo in den Dolomiten ist als „Tal der Eismacher“ bekannt. Noch heute findet dort alljährlich die weltweit größte Speiseeismesse „Mostra internationale del Gelato“ statt. Viele italienische Eismacher aus dieser Region verbreiteten ihr Handwerk weltweit. Adelmo und Grazielle De Cesero gingen 1954 zuerst nach Düsseldorf. Sie lernten Deutsch und bereiteten sich auf die Selbstständigkeit vor. Wie lebt und arbeitet man in Deutschland? Und vor allen Dingen wo? Eine kleinere Stadt sollte es sein, in der italienisches Eis eine noch weitgehend unbekannte Köstlichkeit war.

Ein Vertreter riet zu Borken. Familie De Cesero kam, Borken gefiel ihnen und so begann in der Johann-Walling-Straße die erste italienische Eissaison. Die Borkener nahmen die italienischen Eismacher freundlich und hilfsbereit auf. Benachbarte Händler gaben Starthilfen und wussten, wo es geeignete Ladenlokale gab.
1958 wurde das 1. Kind geboren. Die Kinder erlebten den Rhythmus der Eltern mit: Frühjahr und Sommer in Deutschland, Herbst und Winter in Italien. 1967 zog die Familie zur Heilig-Geist-Straße, führte zeitweilig aber auch zwei Eisgeschäfte mit all den Anforderungen, die Saisonbetriebe stellen und die Graziella mit Charme und Liebenswürdigkeit meisterte. Die Eisdiele wurde schnell zum Treffpunkt für viele Borkener, auch weil die Familie de Cesero sich auf ihre Kundschaft einstellte und Eissorten und Eisbecher ganz nach dem Geschmack der Borkener entwickelte.

De Cesero – das war ein richtiger Familienbetrieb: Graziella und ihre Mutter, Adelmo und seine Eltern, Brüder und Schwestern mit Anhang – alle halfen mit. Graziella kochte, wusch und bügelte für alle. Sie war auch eine begabte Schneiderin. Noch nachts nähte sie die Kleidung für die Kinder. „Sie war der Mittelpunkt und die Seele unserer
großen Familie“ erzählt ihre Tochter Amely. 1963 traf die Familie ein Schicksalsschlag. Zu den Opfern der großen Flutkatastrophe von Longarone gehörten auch zwei junge Männer der Großfamilie De Cesero. Beide waren in Borken gut bekannt, mit ihren Eiswagen waren sie in der Saison in der Stadt und im Borkener Umland unterwegs und brachten das Eis direkt an die Haustür. 

Graziella De Cesero
Eheleute De Cesero

1989 übernahm Sohn Pierino den Eissalon, Graziella und Adelmo zogen wieder nach
Longarone. Aber das Heimweh nach Borken blieb, wenigstens zweimal im Jahr kamen beide auf Besuch in ihre Wahlheimat. Als Adelmo starb – nach fünfzig gemeinsamen Jahren mit Graziella - war Graziella sogar drei Monate in Borken zu Gast. Hier konnte sie viele Erinnerungen an ihren Mann mit den Borkenern teilen. Graziella De Cesero, Jahrgang 1936, starb im Jahre 2021. In Borken ist die Erinnerung an sie noch sehr lebendig.

Quelle: Gespräche mit Angehörigen der Familie De Cesero