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Pauline Löwenstein

Borken - Südafrika - New York

1874 - 1950

Wagemutig ist sie, die junge Pauline „Paula“ Jonas.
Kurz vor der Jahrhundertwende reist sie nach Südafrika. Dorthin war ihre Schwester Jenni mit ihrem Mann Meyer Salomon ausgewandert. Eine Schiffspassage nach Südafrika beginnt damals in Hamburg. Von dort aus dauert die Reise 25 bis 35 Tage, je nachdem, wie häufig unterwegs Häfen angelaufen werden.

Ihr Zielort, Krugersdorp, liegt nördlich von Johannesburg. Von Kapstadt aus muss Pauline noch 1.600 Kilometer mit einem Pferdefuhrwerk zurücklegen. Wahrscheinlich hat sie deshalb in Kapstadt das Schiff gewechselt, um auf die westliche Seite des Landes zu kommen und von einem der Häfen dort ins Landesinnere. Pauline bleibt drei Jahre in Südafrika. Es muss ihr dort gut gefallen haben, denn ihr jüngster Sohn siedelt sich nach seiner Flucht aus Deutschland dort an und gründet eine Familie.

1899 kommt sie zurück nach Borken und heiratet mit 24 Jahren den 13 Jahre älteren Oskar Löwenstein aus Gemen. Mit dem Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Gemen gründet sie dann dort eine Familie. Oskar und Pauline sind sehr religiös und setzen sich für den Bau einer Synagoge in Gemen ein. Die Familie bekommt fünf Kinder. Die jüngste Tochter Marga ist ähnlich weltgewandt und wagemutig wie ihre Mutter. Ihr Lebensweg führt sie über Frankreich nach England, Irland und nach Israel. Dabei unternimmt sie, ähnlich wie ihre Mutter, nach dem Krieg allein weite Schiffsreisen von England nach USA. Vorher hat sie noch in Deutschland ihr Abitur gemacht, bis 1933 kann sie auch noch studieren.

Verlobungsfoto Marga Löwenstein

Pauline und Oskar Löwenstein fliehen nach den Novemberpogromen zu ihrer Tochter Marga nach London. Kurz nach der Flucht kommt Oskar Löwenstein bei einem Verkehrsunfall am 24. Juni 1939 ums Leben. Als Witwe zieht Pauline zu ihrem ältesten Sohn in die USA. Ihre älteste Tochter Gerta und deren Mann Wilhelm hatten bereits Ausreisevisa für die USA, alle Familienmitglieder in Amerika hatten sich für ein Affidavit eingesetzt. Aber Gerta und Wilhelm konnten nicht mehr aus dem Konzentrationslager Gurs in die Pyrenäen fliehen. Sie waren im Oktober 1940 in Karlsruhe verhaftet und in das Lager Gurs nach Frankreich gebracht worden. Von dort aus gingen sie auf einen Transport nach Auschwitz und sind dort verschollen. Das bleibt zeitlebens Paulines großer Schmerz.

Pauline Löwenstein, geboren am 5. Januar 1874 in Borken, stirbt am 18. Mai 1950 in New York.

Quellen: Gespräch mit Mechthild Schöneberg, Buch: Die Geschichte der jüdischen Gemeinden in Borken und Gemen