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Eine Blütezeit erlebte das Hebammenwesen bereits im Mittelalter. So war es bis ins 15. Jahrhundert hinein den Frauen vorbehalten, als Hebammen und zugleich Frauenärztinnen mit umfassenden chirurgischen Befugnissen, Geburtshilfe und gynäkologische Eingriffe auszuüben. Im 16. Jahrhundert äußerten der Klerus gegenüber diesen Frauen ihren Argwohn und beschrieben die Hebammen als „gräuliche Vollsäuferinnen und abergläubische Leute“
Im 16. Und 17. Jahrhundert war manche Hebamme den sogenannten “Hexenprozessen“ ausgesetzt. So auch die Marbeckerin Hille Blomers. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts wird von einem Prozess gegen die Hebamme Hille
Blomers berichtet. Sie wurde als Zauberin beschimpft und angezeigt .
Zum Ende des 19. Und Anfang des 20 Jahrhunderts wurden die Hebammen in der „Provinzial-Hebammen-Lehranstalt“ in Lehrkursen zur Hebamme ausgebildet. So wurde Frau Christine Kipp aus Gemen zum 01.April 1884 als Bezirkshebamme für den Bezirk „Mark Gemen“ vom zuständigen Landrat bestimmt. Sie wurde verpflichtet, im Umkreis von 10 Kilometern von ihrem Wohnort zu jeder „Reifenden“ zu kommen, zu welcher sie gerufen wird. Sie musste ihren Wohnsitz in der „Mark Gemen“ nehmen und durfte diesen ohne Genehmigung des Landrats nicht verändern.
Das Einkommen aus der Praxis wurde mit 5 Mark für jede Geburt gerechnet.

Eng verbunden mit dem Hebammenwesen ist das St. Marien Hospital in Borken.
Für viele Borkener und Borkenerinnen sind die Namen Elsbeth Thesing und Maria Heggelmann eng mit der ehemaligen Geburtsstation im St. Marien-Hospital, Borken verbunden.
Quellen: Quelle: Stadtarchiv Borken Amt Gemen-Weseke A578; BZ 1.11.1967
Das St. Marien-Hospital in Borken geht auf Initiativen Mitte des 19. Jahrhunderts zurück: Am 18. Januar 1844 legte Kaplan Johannes Bernard Vincke den Grundstein, erste Schwestern und wenige Betten entstanden in einem Haus am Boltenhof; seitdem entwickelte sich das Hospital Schritt für Schritt zu einem modernen Akutkrankenhaus. Die Geburtshilfe gehörte lange zum Leistungsspektrum des Hauses und versorgte über Jahrzehnte die regionale Geburtshilfe — in den Jahren vor der Schließung lag die jährliche Fallzahl bei mehreren Hundert Geburten (Borken: ~500 Geburten/ Jahr im Vergleich zu größeren Standorten).
Ab 2019 wurde öffentlich diskutiert, die gynäkologisch-geburtshilfliche Versorgung im Klinikum Westmünsterland zu bündeln; die Leitung kündigte an, die Geburtshilfe am Standort Borken zu beenden und sie am St. Agnes- Hospital in Bocholt zusammenzuführen. Die Ankündigung löste politische Debatten, einen Ratsbeschluss zur Sicherung der Geburtshilfe in Borken und Proteste in der Bürgerschaft aus. Der konkrete Ablauf der Schließung: Im Mai 2022 wurde der Umzugstermin festgelegt — mit Ablauf des 30. Mai 2022 sollte die Versorgung am St. Marien-Hospital Borken beendet werden. Letzte Aufnahmen/Übernahmen fanden gegen Ende Mai statt (letzte Aufnahmen um den 25. Mai; eines der letzten im Haus geborenen Kinder kam am 27. Mai zur Welt), danach wurde der Kreißsaal offiziell stillgelegt und die Geburtshilfe konzentriert in Bocholt fortgeführt.
Begründet wurde die Zusammenlegung offiziell mit organisatorischen und personellen Gründen sowie der Absicht, mehr fachliche Bündelung und bessere Dienstplanlösungen zu erreichen; Kritiker bezeichneten die Maßnahme als Einschnitt in die wohnortnahe Versorgung und warnten vor längeren Fahrtwegen für Gebärende. Die Klinikseite nennt heute Borken weiterhin als wichtigen Akutstandort mit anderen Schwerpunktangeboten — die Geburtshilfe aber gehört seit der
Bündelung nicht mehr zum Leistungsangebot vor Ort.