Mit Google Translate kann diese Webseite in andere Sprachen übersetzt werden. Wenn Sie eine Sprache auswählen, rufen Sie Inhalte auf Google-Servern ab. Der Webseitenbetreiber hat keinen Einfluss auf die Verarbeitung Ihrer Daten durch Google. Wenn Sie nicht möchten, dass Ihre Daten an Google übermittelt werden, schließen Sie dieses Fenster mit einem Klick auf "X".
Um die Sprachwahl nutzen zu können, müssen Sie zunächst das Laden von externen Komponenten erlauben.
Sie verband Bildung mit Herz und Haltung, sie verstand es, jedes Kind in seiner Individualität wahrzunehmen und gezielt zu fördern. Dabei ging es ihr nicht allein um schulische Leistungen, sondern auch um die Stärkung von Selbstvertrauen, sozialen Fähigkeiten und persönlicher Entwicklung. Für viele Schülerinnen und Schüler war Annemarie Sander eine verlässliche Bezugsperson, die Orientierung und Halt vermittelte.
Ihre Persönlichkeit ist untrennbar mit der Entwicklung des Förderschulwesens im Kreis Borken verbunden. Sie war 1959 eine der ersten Schulleiterinnen in Borken. Das erforderte Standfestigkeit und Resilienz, denn die Führungsebene war damals von deutlich männlich geprägten Strukturen dominiert.
Ihre Lebensfreude und ihr fest verankerter Glaube halfen ihr dabei, die vielen Herausforderungen ihres neuen Amtes zu ertragen.
Annemarie Sander wurde am 8. Juli 1931 in Schönwald im damaligen Oberschlesien geboren. In den Wirren des 2. Weltkriegs kam sie nach Westdeutschland und wohnte zunächst in Nottuln. 1956 hatte sie ihr Studium mit Staatsexamen an der pädagogischen Hochschule abgeschlossen und trat im gleichen Jahr eine Stelle als Volksschullehrerin in Borken an. Die Stadt wurde ihr zur neuen Heimat.
Als Lehrerin erlebte sie, wie viele Ängste und Befürchtungen das Wort „Hilfsschule“ bei Eltern und Kindern auslöste. Die Kinder fürchteten sich vor Hohn und Spott, die Eltern vor Ausgrenzung und Perspektivlosigkeit ihrer Kinder.
Am 19.3.1959 fasste der Borkener Rat den Beschluss zur Errichtung einer Hilfsschule. Zunächst war geplant, eine Hilfsschulklasse in die Johann-Walling-Schule einzugliedern. Die Leiterstelle wurde ausgeschrieben, aber es fand sich kein Bewerber. Also beauftragte der Schulrat die junge Lehrerin Annemarie Sander mit dieser Aufgabe.
Sie absolvierte ein mehrjähriges berufsbegleitendes Aufbaustudium an der Heilpädagogischen Fakultät der Hochschule Dortmund, das sie mit den Lehrämtern an Schulen für lernbehinderte und sprachbehinderte Schüler abschloss.
Die neue Schule wuchs schnell. Ständig mussten neue Räumlichkeiten gefunden werden, Umzüge organisiert, Teilstandorte betreut werden, ein stetig wachsendes Kollegium zu einem harmonischen Team entwickelt und die Kooperation mit dem Schulträger gemeistert werden. Das stellte Annemarie Sander über viele Jahre vor große Aufgaben mit ständigen Improvisierungen und innovativem Denken.
Der mit einem starken Stigma besetzte Begriff der Hilfsschule wurde zugunsten des Begriffs Sonderschule und dann weiter zur heutigen Bezeichnung der individuellen Förderung aufgegeben.
Dabei leistete Annemarie Sander Pionierarbeit und sorgte dafür, dass diese Förderung zu einem wesentlichen Profil in der Schullandschaft der Region wurde.
Nach jahrzehntelangen Jahren ständiger Mängel und Provisorien in der Ausstattung wurde am 14. August 1978 das neu errichtete Gebäude im Schulzentrum II an der Mozartstraße bezogen. Inzwischen war die Schule auf über 200 Schüler angewachsen, die am neuen Ort endlich auch eine eigene Turn- und Schwimmhalle nutzen konnten.
Krankheitsbedingt gab Annemarie Sander ihr Amt auf, das sie mit viel Leidenschaft, Herz, Verstand und Energie, Ideenreichtum und Fürsorge für die ihr anvertrauten Schülerinnen und Schüler wahrgenommen hatte.
Am 18. Juli 1991 wurde sie in den Ruhestand versetzt, gefeiert und geehrt von der Schülerschaft, dem Kollegium und allen Mitarbeitern der Schule.
Im Jahr des 800-jährigen Stadtjubiläums – 2025 – starb Annemarie Sander, die prägende Persönlichkeit des Förderschulwesens in Borken.
Kurzporträt von Annemarie Berg